Geistlicher Impuls des Monats

September

Liebe Gemeinde,

der September ist im katholischen Jahreskreis nicht durch großes Brauchtum geprägt. Neben einigen kleineren Marienfesten gibt es allerdings in der Mitte des Monats, am 14.09. das unscheinbare Fest der Kreuzerhöhung.

Ganz anders der jüdische Kalender: alle großen Feste jenseits von Pessach und Pfingsten können, je nach Mondphase in diese Zeit fallen. Dieses Jahr wird Yom Kippur, der große Versöhnungstag zwei Tage nach Kreuzerhöhung gefeiert. Das lässt auf ganz besondere Weise die versöhnende Dimension des Kreuzes aufscheinen. Der aus dem Verständnis fast verschwundene Begriff „Sühne“ steht bei beiden Festen im Zentrum: Stellvertretendes Auf-Sich-Nehmen der Schuld von anderen, für andere. Sinnbildlich erfahrbar war das im alten Judentum durch den Sündenbock, der in die Wüste geschickt wurde.  Nun ist es Jesus, der Sohn Gottes selbst, der die Sünden der Welt am Kreuz auf sich nimmt.

Die Heilige Edith Stein, die mit beiden Traditionen eng verbunden ist, und die Ihre geistliche Suche unter das Geheimnis des Kreuzes gestellt hat, wurde an einem Yom Kippur geboren und hat später als Karmelitin in ihrer Ordenstradition immer am Fest Kreuzerhöhung ihre Gelübde erneuert. Sie wurde besonders befähigt, ihr Leben und ihr Sterben als ein „Für“ zu geben: Für ihr Volk, für die anderen.

Dieses „Für“ im Kleinen, wie im Großen, möge auch unser Leben prägen, da Gott sowieso für uns ist.

Viele Grüße und Segen

Ihr Michael Wiesböck, Pfr.