Geistlicher Impuls des Monats

November

Der November, ist er nicht der deprimierendste aller Monate? Die Tage werden unaufhaltsam kürzer, kälter und grauer. Die Bäume verlieren die bis vor kurzem noch bunten Blätter, die nun braun zur Erde fallen. Obwohl dieser Monat ganz schön aufs Gemüt schlagen kann, birgt er doch in den kirchlichen Feiern, die er enthält, schon Antworten auf die Fragen des: „Warum dieses Verlieren und Absterben?“ „Warum ist alles Irdische vergänglich?“. Die Natur stirbt, um sich auf Neues vorzubereiten.

Wir beginnen diesen Monat mit einem frohen Hochfest, an dem wir Gott danken, dass er seine Verheißung wahr gemacht hat und uns nicht im Dunkel des Todes lässt. Am Allerheiligenfest (01.11.) feiern wir, dass Gott schon so viele in seine Herrlichkeit gerufen hat, dass er ihr Leben gerade nicht verloren und vergeblich bleiben ließ, dass er es nicht braun und trocken zur Erde fallen ließ, ohne Fruchtbarkeit, sondern es vollendet in Ewigkeit und Fülle.

Schon am nächsten Tag, an Allerseelen (02.11.) beten wir für unsere Toten. Als Gemeinde vereinen wir unsere Stimmen und verbinden uns im Gebet über die Grenze des Todes hinaus, dass Gott alles heilen möge, was noch verletzt und noch nicht voll versöhnt ist.

Am letzten Sonntag des Kirchenjahres (20.11.) feiert die Kirche feierlich unseren Herrn Jesus Christus als den, der er in Wirklichkeit ist: Der König der Welt, der Herrscher über den Tod, der Fürst des Lebens. Er ist selbst durch alles Leid und Dunkel hindurchgegangen und hat den Sieg errungen; er lässt uns an seinem Sieg teilhaben und hat uns dadurch neu die wahre Würde geschenkt:

„Das Königtum Jesu unterscheidet sich deutlich vom weltlichen Königtum. »Mein Königtum«, sagt er zu Pilatus, »ist nicht von dieser Welt« (Joh 18,36). Er ist nicht gekommen, um zu herrschen, sondern um zu dienen. Er kommt nicht mit den Zeichen der Macht, sondern mit der Macht der Zeichen. Er ist nicht mit kostbaren Insignien bekleidet, sondern er hängt nackt am Kreuz. Und gerade in der Inschrift am Kreuz wird Jesus als »König« bezeichnet (vgl. Joh 19,19). Sein Königtum geht wahrlich über die menschlichen Maßstäbe hinaus! Wir könnten sagen, dass er nicht König wie andere ist, sondern dass er König für die anderen ist.

Jesus verzichtet nicht nur auf jegliches Streben nach irdischer Größe, sondern er befreit auch und macht die Herzen derer souverän, die ihm folgen. Er, liebe Brüder und Schwestern, befreit uns von der Abhängigkeit von dem Bösen. Sein Reich macht frei, es hat nichts Unterdrückendes an sich. Er behandelt jeden Jünger wie einen Freund, nicht wie einen Untertan. Obwohl Christus über allen Herrschern steht, zieht er keine Trennlinien zwischen sich und den anderen, sondern er will Brüder und Schwestern, mit denen er seine Freude teilen kann (vgl. Joh 15,11). Wenn man ihm nachfolgt, verliert man nichts, sondern man gewinnt an Würde.“ (Papst Franziskus 21.11.2021)

 

Nicht verlieren, sondern gewinnen; oder besser: im Verlieren mit Christus schon gewonnen haben, das ist eines der Geheimnisse des „Verlierermonats“ November.

 

          Mit Segensgrüßen,

 

          Ihr Michael Wiesböck, Pfr.