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Pontifikalamt mit dem Erzbischof,
ein Fest der Liebe zwischen Mann und Frau in St. Dominicus

Unser Leben sei ein Fest, Jesu Geist in unserer Mitte spielt Herr Wünschel auf der Orgel, als Bischof Heiner Koch mit den Pfarrern Wiesböck und Kucklick und den Diakonen Rösler und Greiner in St. Dominicus einziehen. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein gestresstes Paar kommt herein, „Wir standen eine Stunde im Stau“ flüstern sie entschuldigend.  Neunzig Ehepaare, die ein Jubiläum zu feiern haben, sind aus der ganzen Diözese angereist und sitzen selbst auf den seitlichen Bänken. Festkleidung, Anzüge nebst Fliege, Kostüme, aber auch lässiger Schick, alle Jubilare sind in gespannter Erwartung. Der Rekord unter den Anwesenden liegt bei 71 Ehejahren, es gibt aber auch junge Paare, die ihr Kind mitgebracht haben. Drei Ehepaare haben sogar an eben diesem Datum geheiratet.

Hell leuchtet der Altarraum. Diakon Rösler proklamiert das Evangelium: „So wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben…Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist…: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“ (Joh 15, 9-12)

Bischof Heiner schildert zu Beginn seiner Homilie den rasanten Wandel von Gesellschaft und Kirche mit Klimakrise, Epidemie, Krieg in Europa, Inflation, Verunsicherung. Der Mensch und sein Wachstum aber lebe vom Bleiben, so wie Eltern unabhängig von Leistung bei ihren Kindern blieben. „Sie geben mit ihrer Ehe ein physisches Zeichen, seit ihrer Trauung:  `Ich bleibe bei Euch`, verspricht Jahwe, der `Ich bin da`. Gott ist bei Ihnen geblieben, das ist der Inhalt des Sakraments der Ehe.“  Das sei keine Belohnung für gutes Benehmen, denn wir sind alle schwache Menschen mit Grenzen und Fehlern. Der Mann neben mir nickt und sagt zu seiner Frau: „Genau so ist es.“ Der Bischof erläutert, dass Zusammenbleiben etwas Aktives ist. Beieinanderbleiben sei eine Entscheidung, ein Glaube an diesen Gott…“Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden“, wie oft haben Sie das gebetet, dieses ehrliche Gebet armer Menschen?“ Mein Nachbar nickt.

Zuletzt dankt der Bischof den Jubilaren: „Danke, dass sie so lange miteinander gegangen sind als echte Glaubenszeugen! Bleiben Sie bis zum letzten Atemzug! Im Namen der Kirche danke ich Ihnen für diesen sakramentalen Dienst.“

Jetzt kommt Bewegung in die Versammlung: in fünf Richtungen gehen die Ehepaare meist händchenhaltend zum Bischof, zu einem der beiden Priester oder Diakone und empfangen einen auf sie abgestimmten Segen. Denn vorher können die Paare kleine Infos oder Intentionen für den Segen loswerden. Mit großem Elan sind gerade die Diakone, deren erste Berufung ja die Ehe ist, bei der Sache. „Der Herr segne Dich, der Herr behüte Dich“ und andere Stücke spielt derweil die Orgel, denn dieser Teil der Liturgie dauert! Gegen Ende des Ponifikalamtes, nach dem Empfang der Eucharistie singen die Jubelpaare bewegt: „Ein Danklied sei dem Herrn für alle seine Gnade“, und nach dem Tedeum geht es hinauf auf den Hof. Die Band „Red Chucks“ spielt zu einem Glas Sekt, danach gibt es Kaffeehausmusik zur Kuchentafel. Alles schmeckt, alles Bestens! Dominicus ist der perfekte Gastgeber, die Mitarbeiter in der Dominicus-Küche haben sich mit viel Stress und Überstunden für dieses Fest eingesetzt. Bischof Heiner gratuliert und unterhält sich mit jedem Ehepaar. Eine langstielige Rose von ihm will seine Wertschätzung ausdrücken. Denn in Tagen wie diesen bläst den Eheleuten überall der Gegenwind ins Gesicht, systematisch wird Ehe und Familie dekonstruiert. Um die Frage zu beantworten „Was bleibt?“: Heute kann man antworten: Es bleibt die Lehre der Kirche über die sakramentale Ehe und eine ganze Kirche mit lebendigen Ehepaaren, die diese frohmachende Weisung bezeugen.

 

M. Voderholzer

Fotos: W. Wetzler, Erzbistumberlin