Jetzt liegt der Aschermittwoch mit dem Verteilen des Aschenkreuzes schon etwas hinter uns und wir können uns fragen, was es eigentlich war, was wir da empfangen haben?
Wer den Artikel von Diakon Rösler über die Sakramentalien aufmerksam gelesen hat, ist da wahrscheinlich schon schlauer und weiß: es war ein „Sakramentale“. Wir bekamen ein Kreuz mit der Asche auf die Stirn gezeichnet und hörten entweder die Worte: „Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ oder „Bekehrt Euch und glaubt an das Evangelium!“ Seitdem heißt es für uns, in sich zu gehen, und das Leben auf Erden von seinem Ende, dem Tod her, neu zu bedenken.
Die Asche wurde, wie jedes Jahr, aus den getrockneten Zweigen des Palmsonntags des Vorjahres gewonnen, diesmal – anders als letztes Jahr - ohne Feueralarm in St. Dominicus. Schon in der Alten Kirche gab es einen Aschermittwoch, der den Beginn der „öffentlichen Kirchenbuße“ kennzeichnete: Damals legten sich umkehrwillige Büßer ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut und mancherorts - gleichsam wie Adam und Eva aus dem Paradies- aus der Versammlung der Gläubigen `vertrieben`. Damals gab es die Ohrenbeichte noch nicht, und diese verschärfte Zeit des Gebetes, der Reue und Bußübungen war eine mögliche „Therapie“ für schon Getaufte, um für große, öffentlich gewordene Sünden - genannt werden hier immer Mord, Glaubensabfall und Ehebruch - zu büßen. Die Tradition, „in Sack und Asche Buße zu tun“, war ja den frühen Christen schon aus dem Alten Testament bekannt. Diesen Prozess der Umkehr der Büßer begleiteten die anderen Gläubigen mit ihren Gebeten bis die Büßer endlich am Gründonnerstag wieder zur Versammlung der Gläubigen und zur Kommunion zugelassen wurden. Oft wurden sie dabei vom Bischof mit dem Friedensgruß empfangen.
Waren es am Anfang noch Einzelne, die sich den Büßern aus Solidarität anschlossen, schrieb Papst Urban II. im Jahr 1091 den Aschenritus für alle Gläubigen mit einem eigenen Gebet für die Aschensegnung vor. Von der öffentlichen Buße der frühen Kirche hatte bis dahin eine Entwicklung zur privaten Ohrenbeichte stattgefunden. Halten wir kurz fest: den Aschermittwoch gibt es seit mindestens 1700 Jahren, die flächendeckende Spendung des Aschekreuzes an alle Gläubigen seit rund 1000 Jahren.
Vom Aschermittwoch gezählt werden es dann genau 40 Werktage sein (Sonntage bleiben ja seit jeher vom Fastengebot ausgenommen), an denen wir Gläubigen uns mit Gebet, Fasten und Werken der Barmherzigkeit auf das Heilige Osterfest vorbereiten. Dass die Zahl vierzig hier kein Zufall ist, verstehen wir sofort: verbrachte doch Jesus selbst 40 Tage in der Wüste mit Fasten und Gebet, um sich auf seine Mission vorzubereiten, und auch das Volk Israel wanderte 40 Jahre in der Wüste umher, um Gottes auserwähltes Volk zu werden. Auch wir Gläubigen werden durch die Sakramentale „Aschenkreuz“ auf ein Ziel ausgerichtet. Das Ziel ist: die Geschenke, die Gott uns an Ostern bereitet, mit offenem Herzen aufzunehmen. Im Katechismus heißt es nämlich über die Wirkweise der Sakramentalien: sie tun die Gläubigen „recht bereiten, damit ihnen nahezu jedes Ereignis ihres Lebens geheiligt wird durch die göttliche Gnade, die ausströmt vom Pascha Mysterium des Leidens, des Todes und der Auferstehung Christi, aus dem alle Sakramente und Sakramentalien ihre Kraft ableiten.“ (KKK1670). Der auferstandene Christus möchte in unserem Leben seine Kräfte entfesseln, seine Liebe zu uns in Sakramenten und Sakramentalien zeigen und uns zur Hinwendung zu ihm und den Menschen bewegen. Und das Aschenkreuz, das wir am Aschermittwoch empfangen haben, war sozusagen der Startschuss, all das in diesen vierzig besonderen Tagen bis Ostern intensiver zu suchen.
M. Voderholzer
