Geistlicher Impuls des Monats

Juni

„Heiliger Antonius, du kreuzbraver Mann, führ mich dahin, wo … (z.B. mein Schlüssel) sein kann!“ war und ist bei manchen noch heute ein beliebtes Stoßgebet um Hilfe des Heiligen bei verlorenen Sachen. Kreuzbrav klingt etwas angestaubt aber, wenn man die Wortbedeutung vertieft, doch sehr bedeutungsvoll: tapfer und standhaft im Kreuz und den Problemen. Das sind bei Weitem nicht die einzigen Eigenschaften von Antonius von Padua (1195-1231), der sich durch große Bildung, eifrige Rede und Verkündigung des Evangeliums, asketische Armut und vor allem ein weites Herz für Gott und die Menschen auszeichnete. Mitte des Monats, am 13.06. gedenken wir seiner (s. auch unsere Rubrik: „Aus dem liturgischen Kalender“- Red.).

Aber zurück zum Stoßgebet: ist es nicht ein gewisser Missbrauch, die Heiligen oder Gott selbst als Krücke für meine Vergesslichkeit, Schusseligkeit oder sonstige Probleme und Wehwehchen zu gebrauchen? Ich glaube, wir haben manchmal eher zu wenig als zu viel dieser kindlichen Frömmigkeit. Kindern kommt im alltäglichen Umgang ein „Hilf mir doch mal!“ entschieden schneller über die Lippen als Erwachsenen.

Der Heilige Antonius selbst konnte auch nur deshalb so überzeugend für das Evangelium und die Sache Jesu auftreten, weil er selbst in dieser einfachen Haltung des „Hilf mir doch mal!“ Jesus gegenüber blieb. Als Attribute trägt er auf Darstellungen meist das Jesuskind und zuweilen auch die Bibel. In den heiligen Schriften kannte er sich bestens aus, aber dass das Wort Fleisch wurde und konkrete Beziehung ermöglichte, blieb seine Grunderfahrung; deshalb das Jesuskind.

Ob wir selbst den Namen „Jesus!“ als Hilferuf oder die Bitte anderer Heiliger um Mithilfe in Anspruch nehmen: Immer kommt dadurch zum Ausdruck, dass nicht wir selbst alles schaffen (müssen) und dass wir den Schatz einer großen Gemeinschaft der Heiligen haben, die gerne mithelfen.

Und es gibt übrigens auch das Stoßgebet: „Danke für deine Hilfe!“

Herzliche Grüße und Segenswünsche

   

                 Michael Wiesböck, Pfr.